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| Wan Athit, 05. Ganyayon 2553 | Sonntag, 05. September 2553 (2010 n.Chr.) |
Gibt es einen 'buddhistischen' Sexualkodex?Bevor dieses Thema angesprochen wird, sollten Sie sich nochmals die nachstehenden Worte eines grossen Meisters des Theravada - Buddhismus, Ajahn Buddhadasa aus Thailand, vor Augen halten und versuchen, zu verstehen: Im Buddhismus werden wir gelehrt, niemand und nichts zu glauben, ohne selbst erkannt zu haben, was die jeweilige Wahrheit ist.Und mit der nun (hoffentlich) richtig gewonnen Erkenntnis sollten Sie die 5 Sila's, frei übersetzt soviel wie Moralvorschriften, betrachten:
Es darf also niemand verletzt werden, sei es der Ehepartner oder Lebensgefährtin/ -gefährte. In der Regel wird eine (sexuelle) Beziehung ausserhalb einer bestehenden Lebensgemeinschaft die/den anderen Partnerin/Partner mental verletzen, somit ist sie unheilsam. Der Buddhismus räumt also beiden Partnern die gleichen Rechte ein, die in theistischen Religionen des "Segens" eines Gottes bedürfen.
Der Buddha war selber ein Mensch wie du und ich, er wusste um die Sexualität, zeugte selber und dies mit Sicherheit nicht mit Abscheu. Der Grund also, weshalb wir im Buddhismus eigentlich sehr wenige explizite Ge- und/oder Verbote im Bereich der Sexualität haben, liegt darin, dass der Buddha diese als ebenso essentiell für das Leben betrachtete wie Essen und Trinken.
Buddhismus verdammt also nicht die Sexualität. Der Buddha nannte jedoch den Mißbrauch sexuellen Verlangens eine Verletzung menschlicher Würde. Jede Art Sexualität, die durchdrungen ist von Praktiken wie Dominanz, Ausnutzung von Armut und Abhängigkeit, sollte vermieden werden. Dies schließt insbesondere Kindesmißbrauch und Vergewaltigung mit ein. Der Indologe und Buddhologe Alois Payer formulierte folgenden Richtsatz für Buddhisten: Ich trainiere ein solches Verhalten, dass meine Mitwelt vor mir möglichst keine von mir verursachte Angst und Furcht haben muss.und der Dachverband der buddhistischen Vereinigungen Deutschlands, die Deutsche Buddhistische Union (DBU) hat dieses Bekenntnis manifestiert: Zu allen Wesen will ich unbegrenztes Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück.Und damit ist m.E. eigentlich alles, was sich unter Menschen im Bereich der Sexualität ereignen und abspielen kann, ausreichend angesprochen, auf gut deutsch kann man das auch so ausdrücken: Was du nicht willst was man dir tu', das füg' auch keinem and'ren zu. Der Buddha hat uns gelehrt, dass der mittlere Pfad uns alle zur Erlösung führen wird, also wir tunlichst weder der Völlerei noch der übertriebenen Askese fröhnen sollen. Der Buddha hat also weder Essen und Trinken im rechten Rahmen als unheilsam bezeichnet, und dasselbe gilt für die Sexualität. Sexuelle Enthaltsamkeit ist also, ebensowenig wie Verzicht auf Nahrung, keine Voraussetzung, um das Nirvana zu erreichen. Es kommt im Buddhismus also mehr darauf an, warum und wie man etwas tut als was man tut. Wer seiner Partnerin, seinem Partner, auch im sexuellen Bereich, Glück, Zufriedenheit, Wohlbefinden bereitet, dürfte sich damit zu mehr positivem Karma verhelfen als der Mensch, der sich sexuell nur deshalb enthält, um sich der Welt zu entsagen. Das einzige, was die Sexualität von unseren anderen irdischen Bedürfnissen und Trieben unterscheidet ist die Art, wie wir diese ausüben. Und die ist sehr individuell, sehr persönlich. Während wir in der Regel unsere anderen Bedürfnisse, wie Essen und Trinken, ohne Scheu zusammen mit anderen befriedigen, bleibt sexuelle Betätigung normalerweise eine Angelegenheit zwischen den daran unmittelbar Beteiligten. |