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| Wan Athit, 05. Ganyayon 2553 | Sonntag, 05. September 2553 (2010 n.Chr.) |
Ist Buddhismus eine pessimistische Religion?
Es gibt wohl keinen unzutreffenderen Mythos über den Buddhismus als den, dass er Pessimismus lehrt, das Leben und alles damit Verbundene als eine einzige Quelle von Leid und Trübsal darstellt.
Wenn heute vom Land des Lächelns die Rede ist, so wird damit wohl kaum jemand einen Staat im christlichen Abendland oder auf dem amerikanischen Kontinent in Verbindung bringen, auch der Vatikan wird damit nicht bezeichnet. Dieses Attribut verbindet man mit (noch) naturbelassenen Landschaften und fröhlichen, eben lächelnden Menschen im einzigen buddhistischen Königreich der Welt - mit Thailand, dem früheren Siam. Gut 95 % der Einwohner bekennen sich zum Theravada Buddhismus und gehören (noch) mit zu den freundlichsten, gastfreundlichsten und höflichsten Menschen, die diese Erde bevölkern. In anderen vom Buddhismus dominierten Ländern Asiens wie z.B. Myanmar (Burma), Ceylon (Sri Lanka), Laos, Kambodscha, Viet Nam etc. ist den meisten Menschen durch brutale menschenverachtende Kolonialisierung das Lächeln meistens vergangen, die von den Kolonialisten ihnen gegen ihren Willen teilweise aufgezwungene "Frohe Botschaft" des Vatikan - Christentums hat nicht dazu beigetragen, ihnen ihr Leben in optmistischerem Licht erscheinen zu lassen.
Dies alles ist den Thailändern durch geschicktes Agieren ihrer budhistischen Monarchie erspart geblieben, und wenn auch heute unter dem Druck der "Globalisierung" genannten Neo-Kolonialisierung so mancher Thai die "Segnungen" der kapitalistischen Marktwirtschaft zu spüren bekommt, so kann er sich dennoch auf seine Wurzeln noch zurückbesinnen. Und die sind buddhistisch geprägt und helfen ihm, das Leben so wie es nun mal ist zu akzeptieren und zu meistern.
Wie kam es aber nun zu diesem "Vorurteil", der Buddhismus verbreite Pessimismus und Lebensunlust, ja sogar Todessehnsucht? Im Gegensatz zu den theistischen Religionen hat der Gautama Buddha das Leben so dargestellt, wie es wirklich ist. Und zu dieser Wirklichkeit gehört die Einsicht, dass mit dem Leben unabdingbar auch Leiden verbunden sind - der Buddha hat also nicht den Weg der beschwichtigenden (und somit die Unwahrheit sprechenden) Sprechstundenhilfe gewählt, die dem Patienten vor dem Verabreichen einer schmerzhaften Spritze suggeriert: "das tut nicht weh". Der Buddha hat ganz brutal die Wahrheit gesagt: Die Edle Wahrheit vom LeidenDer Buddha hat nicht geleugnet, dass es zwischen den Zeiten von Leid auch Zeiten von Freude und Wohlempfinden gibt. Ziel des Buddha war aber, uns allen eine Möglichkeit zur Erlösung zu offenbaren und nicht, uns mit dem Leiden als "gottgegeben" abzufinden. Der Buddha hat also nichts anders getan, als die reale Situation für alle Wesen unverblümt darzustellen. Er hat deshalb, wie ein guter Arzt, eine unwiderlegbare Diagnose gestellt. Aber dann zugleich einen Weg aufgezeigt, wie alle Wesen diesen Kreislauf der Leidensentstehung beenden können. Wie dieser Weg aussieht, wird an anderer Stelle hier noch erörtert. Tatsache jedoch ist, dass der Buddha den Weg zur endgültigen Erlösung aller Wesen verkündet hat. Und dieser Weg endet für alle in der Todlosigkeit - frei von leidbringenden Wiedergeburten, frei vom leidbringenden Sterben. Da Buddha das Leben als ursächlich für die Leidentstehung benannt hat, hat er folgerichtig auch nicht von einem ewigen Leben sprechen können - ein solches würde ja logischerweise auch den Leidenszyklus auf alle Ewigkeit festschreiben. Wer also in den Begriff "Todlosigkeit" etwas anderes hineininterpretiert als ewiges Freisein von Leiden, liegt falsch. Es ist also die Aussicht auf diese Todlosigkeit, die Buddhisten zu fröhlichen, im Grunde genommen lebensbejahenden Menschen macht - die Sicherheit, das Nirvana nicht in Abhängigkeit von der Gnade eines imaginären Gottes erreichen zu können, sondern ganz alleine, aus eigener Kraft und Anstrengung heraus. Kein Buddhist fürchtet also den Tod, er ist auf dem Weg zur endgültigen Erlangung der Todlosigkeit eben nun mal erforderlich. |