Buddhistische virtuelle Sangha

Der Buddhismus lehrt uns: Nur dem, der nicht in den Kategorien von Karma, Wiedergeburt und Nirvana denkt, kommt das Leben ungerecht vor.


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Wan Athit, 05. Ganyayon 2553 Sonntag, 05. September 2553 (2010 n.Chr.)




Katastrophen, Unglücksfälle, Naturereignisse



Vier unerfassbare Dinge gibt es, ihr Mönche, über die man nicht nachdenken sollte, über welche nachdenkend man dem Wahnsinn oder der Verstörung anheimfallen möchte. Welches sind diese vier Dinge?
  1. Der Machtbereich der Buddhas
  2. Der Machtbereich der Vertiefungen
  3. die Wirkung der Taten (kamma-vipaka)
  4. das Grübeln über die Welt

Ich gehöre zu den Menschen, die sich der Begrenztheit unseres Wissens bewusst sind und weiss, wie wenig wir wissen. Deshalb halte ich es auch für möglich, dass es etwas gibt, was wir niemals wissen können.

Desweiteren bin ich davon überzeugt, dass viele Dinge, die nur einigen wenigen Menschen begreifbar, intellektuell zugänglich sind, dem grossen Rest der Menschheit (noch?) gar nicht erklärt werden, ihnen verständlich gemacht werden können.

Wer von uns hat die Erkenntnisse Albert Einstein's schon wirklich voll begriffen? Diejenigen, die dazu nicht befähigt sind, zweifeln aber die Wahrheit seiner Erkenntnisse, Entdeckungen zumeist nicht mehr an - vor wenigen hundert Jahren wäre Einstein vermutlich als Ketzer auf einem Scheiterhaufen gelandet.

Es ist deshalb, dass ich die Worte Buddhas über die Dinge, über die man nicht nachdenken oder grübeln sollte, oben zur Einleitung zitiert habe - der Buddha hat soviele mittlerweile beweisbare Wahrheiten offenbart, so dass nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip auch alle seine anderen Lehrinhalte als wahr gelten müssen, auch und wenn wir sie eben aufgrund unseres begrenzten Wissens nicht oder niemals verstehen können.

Es ist aber keinem Buddhisten untersagt, sich dennoch Gedanken über diese Welt, in der wir leben, zu machen - allerdings nicht in der Absicht, eine hieb- und stichfeste Erklärung für das nicht Fassbare zu erhalten.

Vor noch nicht langer Zeit wurden Naturkatastrophen wie das jüngste Seebeben und die daraus resultierende Flutkatastrophe durch tsunamis von theistischen Religionen als "Prüfung Gottes" usw. dargestellt. In Kommentaren der letzten Tage von katholischen und evangelischen Priestern sagten einige davon z.B. in der Passauer Neuen Presse "es ist ein Zeichen dafür, dass die Welt noch nicht fertig ist" (Kath. Pfarrer Karl-Heinz Ertl) oder "man könnte Gott allenfalls einen 'Konstruktionsfehler' bei der Erschaffung der Erde unterstellen" (Evang. Pfarrer Ulrich Burkhardt).

Wie passt das mit der biblischen Aussage "Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut" (Genesis 1) zusammen?

Für den Buddhisten gibt es aber keinerlei Grund für so haltlose Spekulationen, schon gleich gar keinen Anlass, einer von menschlichen Hirnen zusammengedichteten Schöpferfigur Konstruktionsfehler anzulasten - für den Buddhisten ist es das, was es war: ein Naturereignis in einer Welt, die keinen Anfang und kein Ende kennt, die immer wieder untergeht und entsteht.

Die von Menschen oft vorgebrachten "wissenschaftlichen Erkenntnisse" sind zum überwiegenden Teil nichts anderes als Spekulationen, ein nie enden wollender Versuch, die "Überlegenheit" des Menschen mit oft obskuren Gedankensprüngen beweisen zu wollen.

Als "normaler" Mensch frage ich mich z.B., ob denn das seit Jahrhunderten andauernde Aussaugen der Erde (Kohle, Eisenerz, Erdöl usw.) nicht doch einen Einfluss auf diese tektonischen Verschiebungen haben könnte? Ob denn das Abschmelzen der Pole und damit Erhöhung der Wassermenge in den Weltmeeren denn nicht zu einem übermässigen Druck auf die "Schale" unserer Erdkugel führen kann?

Alles Leben in dieser Welt ist Bestandteil eines Ganzen und somit allem und jedem, was diesem Ganzen widerfährt, unwiderruflich ausgeliefert. Im Buddhismus rechnen wir mit unendlich vielen Universen, es ist also nicht abwegig anzunehmen, dass sich auch Welten bilden, die genau die karmischen Folgen ermöglichen, die die darauf sich aufhaltenden Wesen durch früheres und jetziges karmisches Wirken angesammelt haben.

Dass der Grossteil der Menschheit in dieser Welt sicherlich mehr unheilsames als heilsames Karma anhäuft und in früheren Existenzen bereits angehäuft hat, dürfte wohl unbestreitbar sein - so gut wie jede/r von uns bricht einige oder alle buddhistischen moralischen Empfehlungen von Zeit zu Zeit, die/der eine häufiger, andere seltener.

Und dafür haben wir die Folgen zu akzeptieren, ausnahmslos.

Wir alle betrauern, zu Recht und mit tiefem Mitgefühl, den grossen Verlust an Leben, an Gesundheit, an Lebensnotwendigem, den die Flutkatastrophe verursacht hat - es gibt aber noch viele andere Mitlebewesen, die an "ganz gewöhnlichen" Tagen, ohne Flutkatastrophe, sterben müssen - alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger, an jedem "ganz gewöhnlichem" Tag also rund 18 000 junge Menschen. Innerhalb von zehn "ganz gewöhnlichen" Tagen also mehr, als die Naturkatastrophe bis jetzt (3. Januar 2005) gefordert hat.

Als Ursache für den seit 1996 weltweit wachsenden Hunger nannte ein UN-Berichterstatter vor allem die neoliberale Politik. "Der Markt" könne das Problem des Hungers nicht lösen, sagte er. Die beiden gängigen Erklärungsversuche für die sich weiter verschärfende Situation, "Überbevölkerung" und "Naturgegebenheit", seien "eine glatte Lüge: Es geht um ein ökonomisches System". Profitinteressen verschärfen die Lage.

Mögen alle Wesen glücklich sein

Erst wenn wir diese Voraussetzung erfüllt haben, werden wir Nibbana näherkommen. Wenn diese Welle von Hilfsbereitschaft auf der ganzen Welt, dieses von den meisten Menschen tief empfundene Mitgefühl, sich jetzt fortsetzen lässt, wenn Politiker vieler Staaten ihr Versprechen einlösen, auch über die "Trauerfrist" hinaus eine echte Partnerschaft mit den Menschen in den Ländern der sog. 3. Welt zu suchen und aufzubauen, dann können wir zwar die Toten der Katastrophe nicht wiederbeleben - ihr Sterben hätte aber zumindest einen Anstoss gegeben zur Verbesserung dieser Welt.
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