Buddhistische virtuelle Sangha

Der Buddhismus lehrt uns: Nur dem, der nicht in den Kategorien von Karma, Wiedergeburt und Nirvana denkt, kommt das Leben ungerecht vor.


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Wan Athit, 05. Ganyayon 2553 Sonntag, 05. September 2553 (2010 n.Chr.)




Homosexualität und Buddhismus



Wenn Du etwas nicht verstehen kannst -
richte nicht, toleriere es!

Mahatma Gandhi
Der Gautama Buddha offenbarte uns den Dhamma (Lehre). Der Dhamma zeigt uns, wie wir das Leben in all seiner Vielfalt meistern können und den Weg zur Erlösung dabei finden. Buddhismus ist also eine praktische Lebensphilosophie, die sich um das Hier und Jetzt kümmert und nicht über das Vorher und Nachher spekuliert.

Zentraler Bestandteil der Dhamma sind die fünf panca sila, in etwa Moralempfehlungen, die jedem Anhänger der Lehre Buddha's zu befolgen empfohlen sind und die ich nachstehend nochmals aufführe:
  1. Enthaltung vom Töten (und Verletzen) von Lebewesen
  2. Enthaltung vom Nehmen von Nichtgegebenem
  3. Enthaltung von falschem Sexualverhalten
  4. Enthaltung von Lügen, Hinterträgerei, Denunziation, verbalen Grobheiten, Geschwätz
  5. Enthaltung von berauschenden Mitteln, die Anlaß zu Nachläßigkeit sind
Die dritte sila bezieht sich auf Sexualverhalten. Der Buddha hat sich nie explizit über sexuelle Aspeke des Lebens geäussert, hauptsächlich vermutlich deswegen, weil diese auf das Erreichen des Nirvana keinerlei nennenswerten Einfluss ausüben können. Der Sexualtrieb ist Bestandteil alles Lebens, ebenso wie das auch Essen und Trinken sind.

Der Theravada Buddhismus, dem ich selber folge und der unter Indologen als die unverfälscheste Überlieferung der Lehren des Buddha gilt, äussert sich nicht explizit zum Thema Homosexualtät. Jede Beziehung zwischen Menschen wird als eine individuelle Angelegenheit betrachtet, unabhängig davon, ob es sich dabei um eine Beziehung zwischen verschiedenen oder gleichen Geschlechtern handelt. Liebe zu anderen Wesen hat also zuerst mal absolut nichts mit sexueller Orientierung zu tun, die ohnehin nach meiner (und der überwiegenden Mehrheit der Theravada Buddhisten) Ansicht nicht kontrollierbar ist.

Homosexualität war natürlich im alten Indien bekannt, es wäre also falsch davon auszugehen, dass der Buddha sie wegen Nichtvorhandensein nicht ausdrücklich erwähnte. Sexuelle Beziehungen unter Menschen des gleichen Geschlechts unterliegen also in allererster Hinsicht dem universellen Gebot des physischen und psychischen Nichtverletzens anderer Lebewesen.

Für das Leben in Ordensgemeinschaften existieren allerdings umfassende Richtlinien, die in der sog. Vinaya, den Disziplinarvorschriften für Ordensgemeischaften, niedergelegt sind. Darin werden sexuelle Verhaltensweisen, darunter auch Homosexualität, angesprochen, aber auch diese nicht einer gesonderten Bewertung unterworfen, sondern in Folge mit anderen Praktiken (wie z.B. Selbstbefriedigung etc.) beurteilt. Geschlechtsverkehr mit anderen Personen führt für ein Ordensmitglied unwiderruflich zum Ausschluss aus dem Orden - egal, ob dieser mit Personen des anderen oder desselben Geschlechts ausgeführt wurde, insofern gibt es keinerlei Diskriminierung.

Da es im Buddhismus keine Institutionen wie z.B. die Ehe gibt, sondern jedes Zusammenleben von Wesen den natürlichen Gesetzen unterliegt, haben Diskussionen über momentan so kontroverse Themen wie die Homoehe im "Westen" keine Basis. Die Liebe zu einem anderen Lebewesen bedarf meiner Ansicht nach nicht unbedingt einer behördlichen "Absegnung", diese ist aber aus Gründen materieller Aspekte begrüssenswert, hat also mit buddhistischen Werten nichts zu tun. Wenn zwei Menschen, egal welchen Geschlechts, sich lieben, dann sollten sie keinerlei Restriktionen oder Diskriminierung unterworfen sein.

In vorwiegend buddhistischen Ländern existierten auch nie diskrimierende Gesetze gegen Homosexuelle - solche wurden z.B. in Ceylon (Sri Lanka) erst nach Errichtung der widernatürlichen britischen Kolonialherrschaft etabliert. In Thailand, das nie kolonialisiert wurde, existierten solche Gesetze bis zum heutigen Tage nicht. Dies soll aber über eines nicht hinwegtäuschen: Homosexualität ist nicht generell akzeptiert, sie wird toleriert. Und dieselbe Toleranz erwarten auch Heterosexuelle von Homosexuellen. Buddhismus ist also nicht DIE Religion für, sondern AUCH für Menschen, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen. Wer gleichgeschlechtliche Beziehungen vom Standpunkt der Natürlichkeit aus betrachtet, und solche Beziehungen dann als "unnatürlich" bezeichnet, der muss dann auch das zölibatäre Leben katholischer Priester als unnatürlich erkennen - auch diese unterliegen dem natürlichen Geschlechtstrieb.
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